Demenz und Delir

Demenz

Geistige Fähigkeiten im Alter
Gesund alternde Menschen, können sich bis ins hohe Alter auf ihre geistigen Fähigkeiten verlassen. Es kommt zwar im Alter nicht selten zu einer Verlangsamung einzelner kognitive Prozesse, jedoch bleibt die resultierende Qualität der Hirnleistungen hoch, sodass wir unser Leben bis ans Ende selbstbestimmt und vielfältig gestalten können.

Demenzielle Entwicklung
Menschen die an einer Demenz erkranken, verlieren Schritt für Schritt ihre geistigen Fähigkeiten, sodass sie bei der Bewältigung ihres Alltages zunehmend auf Hilfe angewiesen sind.

Bei einer dementiellen Entwicklung nehmen typischerweise die Gedächtnisleistungen stark ab. Aber auch Defizite im Bereich der Sprachgewandtheit, des räumlichen Vorstellungsvermögens sowie des Orientierungssinnes können auftreten. Ferner ist eine Abnahme von Abstraktions- und Planungsfähigkeiten möglich und auch die Geschicklichkeit im sozialen Umgang kann sich reduzieren. Schliesslich gehören auch Veränderungen der Persönlichkeit zu klassischen Demenzerscheinungen.

Diagnose
Für eine Demenzdiagnose müssen folgende Punkte erfüllt sein:
- Klarer und fortschreitender Abbau mehrerer kognitiver Fähigkeiten
- Dadurch merkliche Beeinträchtigung des Alltags- oder Arbeitslebens
- Bestätigung der Defizite durch objektive Tests
- Ausschluss von anderen Erkrankungen und Faktoren, bei denen sich demenzähnliche  
  Zustände einstellen können (Depression, Delir, Vitamin B-12-Mangel,
  Schilddrüsenfunktionsstörungen und vieles mehr)
 
Äussert ein Mensch oder eine ihm nahestehende Personen die Sorge bezüglich schwindender geistiger Fähigkeiten, kann in einer sogenannten „Memory Clinic“ die Situation weiter abgeklärt werden.

Häufigkeit
Eine Demenz ist in der Regel eine Erkrankung die im höheren Alter auftritt. In Europa sind im Alter von 60-70 Jahren nur ca. 1-3 % der Bevölkerung betroffen. Bei 80-84 jährigen liegt der Anteil der Demenzerkrankten bei etwa 13%, bei über 90 Jährigen dann bei über 40%.
Die häufigste Ursache für eine Demenz ist die Alzheimer Erkrankung.

Therapie
Trotz intensiver weltweiter Forschungsbemühungen sind die Behandlungsmöglichkeiten bislang noch begrenzt. Obschon Medikamente existieren, welche den Krankheitsverlauf durchaus positiv beeinflussen können, ist der Effekt leider oft gering.

Dennoch gibt es viele Möglichkeiten wie Demenzkranken geholfen werden kann: Bewegungs-, Musik- und Aromatherapie, Erkennen unerfüllter Bedürfnisse, Nutzen vorhandener kognitiver, körperlicher und emotionaler Ressourcen sowie die Ansprache erhaltener Kommunikationsfähigkeiten (verschiedene Sinne, Körperkontakt, emotionales Gespür) sind wichtige Säulen in der Betreuung Demenzkranker. Zur Behandlung von Verhaltensstörungen gibt es neben o.g. Massnahmen eine Reihe wirksamer Medikamente, welche in ausgesuchten Fällen hilfreich sein können; siehe hierzu auch Psyche im Alter.

Die Anleitung und Unterstützung der Angehörigen spielt eine grosse Rolle, da sie nicht selten aufopferungsvoll einen grossen Teil der Fürsorge und Verantwortung für den Erkrankten übernehmen.

Delir

 

Definition
Ein Delir ist ein akuter, vorrübergehender Verwirrtheitszustand. Nicht zu verwechseln mit einer Demenz, welche eine chronische Krankheit mit dauerhafter Verwirrtheit ist.


Erscheinungsbild
Menschen in einem deliranten Zustand verlieren für eine Zeitlang ihre Geistesklarheit. Sie wissen dann oft nicht genau wo und in welcher Situation sie sich befinden. Sie haben Schwierigkeiten sich auf etwas zu konzentrieren, sind im Gespräch nicht immer erreichbar und sprechen teilweise wirr über verschiedenste unzusammenhängende Dinge. Auch Halluzinationen und ängstlich-depressive Zustandsbilder werden häufig beobachtet. Das Aktivitätslevel ist entweder erhöht, mit ständiger Unruhe und Bewegungsdrang, oder deutlich erniedrigt mit schläfrigem, teilnahmslosem Erscheinungsbild.

Sehr typisch für ein Delir, ist der fluktuierende Verlauf. Oben beschriebene Symptome können zwischendurch für viele Stunden komplett fehlen um dann jedoch, mit ggf. erhöhter Intensität, erneut zu beginnen.


Ursachen
Wenn ein Delir auftritt darf nicht geruht werden, bis der Grund dafür gefunden wird. Häufige Ursachen sind Infektionen, Schmerzen, Schlaganfälle, akute Erkrankungen verschiedener Organe sowie unerwünschte medikamentöse Wirkungen.

Abgegrenzt und ausgeschlossen werden müssen immer hirnorganische Akuterkrankungen wie z.B. die Meningitis, die Enzephalitis, der nicht-konvulsive Status sowie Vergiftungen und Entzugserscheinungen.  

Prinzipiell kann jeder Mensch unabhängig vom Alter durch o.g. Erkrankungen in einen deliranten Zustand geraten. Ältere Menschen und dabei insbesondere Jene mit beginnender oder manifester dementiellen Entwicklung, haben jedoch das grösste Risiko ein Delir zu erleiden.

Akute Verwirrtheitszustände werden häufig im Spital beobachtet wo der Patient, neben der akuten Erkrankung, auch mit einer fremden, oft unruhigen Umgebung, wechselnden Kontaktpersonen sowie z.T. invasiven Massnahmen umgehen muss.


Erkennen und Behandeln
Delirante Bewusstseinszustände müssen frühzeitig erkannt werden. Dies gelingt im Spital durch speziell geschultes Personal welches Hochrisikopatienten erkennt, engmaschig kontrolliert und von Beginn an alle notwendigen Massnahmen ergreift, welche einer Delir-Entwicklung entgegenwirken. Hierbei ist auch eine gute Kommunikation zwischen Personal und dem Patienten nahestehenden Personen wichtig.

Wenn ein Delir nicht verhindert werden kann gilt es in erster Linie die auslösende Erkrankung effizient zu therapieren. Gleichzeitig werden eine Reihe von Massnahmen ergriffen welche helfen den Patienten wieder zu re-orientieren. Effektive medikamentöse Therapieoptionen bestehen ebenfalls.

Ein Delir dauert in der Regel mehrere Tage, kann aber bis zu vielen Wochen lang anhalten. Aufgrund erhöhter Wahrscheinlichkeit einer demenziellen Entwicklung sowie Gefahr eines wiederholten Delirs im Falle erneuter Belastungen, sollten die Patienten nach Entlassung mit erhöhter Aufmerksamkeit betreut und begleitet werden.