Psyche im Alter

Krankheiten der geistigen und psychischen Gesundheit gehören zu den weltweit führenden Belastungen älterer Menschen.

Neben der Demenz, welche in erheblichem Masse zu psychischen Veränderungen und Belastungen führen kann, sind Depressionen am weitesten verbreitet.

Depression

Herausforderungen im Alter
Der älter werdende Mensch muss viele psychische Herausforderungen meistern:

- Schmerzliche Verluste von Nahestehenden
- Veränderte Lebenssituationen mit oft reduziertem Einkommen und sozialem Status.
- Das Erleben von Krankheiten oder eines schrittweisen Funktionsverlustes mit zunehmender
  Hilfebedürftigkeit.
- Schwinden von Sinnesleistungen und körperlichen Kräften.
- Möglicherweise abnehmende kognitive Fähigkeiten und soziale Vereinsamung.

All dies verlangt eine grosse Anpassungsfähigkeit. Kummer und Trauer sind normale Reaktionen bei solch einem Prozess.
Trotz der beschriebenen Belastungen und Verluste, welche durchaus das Risiko für eine Depression erhöhen, ist eine zunehmend niedergedrückte Stimmungslage natürlich keine notwendige Konsequenz des Älterwerdens.

Folgen einer unerkannten Depression
Das Wissen um eine Depression als häufige psychische Erkrankung im Alter ist enorm wichtig. Denn eine Depression wirkt sich sehr negativ auf die Lebensqualität aus. Ferner werden der Verlauf und die Schwere auch körperlicher Erkrankungen durch eine Depression häufig ungünstig beeinflusst. Das Risiko für einen Substanzmissbrauch, z.B. Alkohol oder Medikamente ist erhöht und zusätzliche psychische Erkrankungen wie z.B. Ängste oder Somatisierungsstörungen treten vermehrt auf.

Eine schwere Depression geht letztlich immer mit dem Risiko eins Suizides einher. Bei älteren Menschen sind Suizidversuche insgesamt seltener als bei Jüngeren. Ältere Menschen wählen jedoch leider viel häufiger einen Weg, bei welchem der Erfolg gesichert ist. Viele Freitode finden im Rahmen der ersten depressiven Episode statt und Männer sind besonders gefährdet.
Meistens hat wenige Wochen zuvor noch ein Arztbesuch stattgefunden. Erhöhte Aufmerksamkeit sollte depressiven Patienten gelten, welche an Abhängigkeitserkrankungen, chronischen Schmerzen und Schlaflosigkeit leiden und welche besonders hoffnungs- und rastlos erscheinen.

Bin ich oder mein(e) Partner(in) depressiv?
Oft können schon wenige Fragen helfen, den Verdacht auf eine depressive Stimmungslage zu erhärten:
- „Hast Du noch Freude am Leben?“
- „Fühlst Du dich wertlos?“
- „Hast Du noch Interesse an Dingen?“
- „Hast Du schon einmal an Selbstmord gedacht?“
Besteht der Verdacht auf eine Depression, sollte professionelle Hilfe aufgesucht werden.

Behandlung
Therapeutische Möglichkeiten gibt es viele:
Die gesprächstherapeutische Arbeit mit einem geriatrisch spezialisierten Psychiater oder Psychologen ist sicherlich von zentraler Bedeutung und in vielen Fällen sehr hilfreich. Eine medikamentöse Behandlung ist ebenfalls eine wichtige Therapieoption wobei auf altersspezifische Besonderheiten (z.T. stärkere Wirkung, ungünstige Nebenwirkungen, Interaktionen) geachtet werden sollte. Auch regelmässige körperliche Bewegung hat einen hohen Stellenwert bei der Behandlung schwermütiger Menschen. Des Weiteren sind Licht-, Kunst-, Musik- und Tanztherapie sowie verschiedene Körperanwendungen in ausgesuchten Fällen sinnvoll.
Darüber hinaus sollte regelmässig geschaut werden, wie typische, altersbedingte Belastungsfaktoren gelindert werden können. Dazu zählen insbesondere chronische Schmerzen, Mobilitätsdefizite mit Sturzangst, Inkontinenz, Schlafstörungen sowie ungenügend korrigierte Seh- und Hörminderungen.
Zuletzt liegt ein grosser therapeutischer Fokus in der Nutzung tragfähiger sozialer Kontakte des Patienten. Vermehrte Interaktion, Anregung, Fürsorge und gemeinsame Aktivitäten können grossen Einfluss auf Lebensfreude und Selbstwertgefühl depressiver älterer Menschen haben.

 

Verhaltensstörungen bei Demenz

Weit über die Hälfte der Demenzpatienten leiden im Laufe ihrer Erkrankung an sogenannten neuropsychiatrischen Symptomen. Darunter werden psychische Leidenszustände und Verhaltensauffälligkeiten zusammengefasst. Häufig sind:

- Depression
- Ängste
- Irritabilität
- Delirien
- Schlafstörungen
- Agitation
- Bewegungsdrang
- Wehrigkeit
- Aggression
- Soziale Unangepasstheit
- Enthemmung
- Zurückgezogenheit
- Apathie
- Euphorie
- Wahn
- Zwang

Diese Symptome kommen zum Teil durch den Untergang von Nervenzellen in verschiedenen Gehirnregionen zu Stande. Sie müssen jedoch auch immer Anlass sein, nach einem behandelbaren Auslöser zu suchen. Wenn die geistigen Fähigkeiten durch eine Demenzerkrankung schwinden, können unerfüllte Bedürfnisse oft nicht richtig kommuniziert werden. Teilweise können die Erkrankten ihr Unbehagen selber nicht einordnen, was zu grosser Not und Hilflosigkeit führen kann.

Häufige Ursachen von Verhaltensauffälligkeiten
- Unerfüllte Grundbedürfnisse wie Hunger, Bewegung, Zuneigung oder Berührung
- Unverstandene Vorgänge in der direkten Umgebung
- Niedergedrückte Stimmung oder Ängste, die gefühlt aber nicht verstanden oder adäquat
  geäussert werden können
- Schmerzen und Unbehagen
- Schlafstörungen
- Akute oder unbehandelte chronische Erkrankungen wie Infekte, Schlaganfälle oder  
  Verstopfung
- Medikamentöse Nebenwirkungen


Therapie

Nicht-medikamentös
Das Wichtigste ist es nach Auslösern, Verstärkern und unerfüllten Bedürfnissen zu fanden und solche zu behandeln respektive zu erfüllen. Dafür braucht es viel medizinische und pflegerische Erfahrung sowie die Zusammenarbeit mit dem Patienten nahestehenden Personen.
Darüber hinaus sind Bewegungs- Aroma- und Berührungsbehandlungen wichtige Säulen der Therapie von demenzbedingten neuropsychiatrischen Symptomen.

Medikamentös
Es existieren mehrere Klassen von Medikamenten, welche bei unterschiedlichen psychischen Notzuständen und Verhaltensstörungen eingesetzt werden können. Die Medikamentierung bei älteren, demenzkranken Menschen ist komplex und braucht ebenfalls viel Erfahrung. Prinzipien sind sorgfältige Nutzen-/ Risikoabwägung, Berücksichtigung besonderer Versoffwechselungsbedingungen sowie regelmässiges Überprüfen von Therapieeffekt und unerwünschten Wirkungen.